Alles steht zur Disposition

von Dr. Alfred Gunzenhauser, München 2008

Als mich im Sommer 2006 mein Freund Max Müllner auf den Künstler Romen Banerjee aufmerksam machte, sagte ich einen Atelierbesuch unter dem festen Vorsatz, kein Bild zu erwerben, zu. Aber es kam anders.

Das kleine, helle Atelier liegt auf dem idyllischen Gelände einer ehemaligen Brauerei in der Fidicinstraße in Kreuzberg. Dieses Areal gehört dem im vergangenen Jahr verstorbenen Berliner Künstleroriginal Kurt Mühlenhaupt. Mit weiteren Künstlerkollegen, zwei Theatern, einer Holz- und einer Metallwerkstatt arbeitet Banerjee in diesem an die Toskana erinnernden Ambiente. Eine lichte Insel im faszinierenden Moloch Berlin.

Diese atmosphärische Melange schien sich in der Malerei Banerjees in transzendenter Leichtigkeit und existenzialistischer Tiefe widerzuspiegeln. Hier verknüpfte sich der radikal-subjektive Qualitätsbegriff der klassischen Moderne mit persönlichem gesellschaftspolitischem Engagement.

Nicht, dass eine soziologische Untersuchung zur Kunst erhoben wurde, wie man es heutzutage des Öfteren antrifft. Vielmehr findet bei Banerjee eine Haltung Ausdruck, die ihn seinerzeit jahrelang in der Kulturpolitik aktiv sein ließ.

Eine Haltung, die dazu führte, dass er sich radikal von dem rasanten Erfolg seiner Kunst und seiner künstlerischen Karriere ab- und der Psychologie zuwandte. Banerjee erarbeitete sich auf diesem Weg zunehmend radikal eine innere Freiheit, die nun kraftvoll in seinem Werk zutage tritt.

Nichts, nicht einmal die Identität als Künstler, ist starr, alles steht zur Disposition, wenn es der inneren Notwendigkeit, dem Streben nach Wahrhaftigkeit und Klarheit entspringt. Diese Haltung bringt eine spielerische über den Existenzialismus hinausgehende Kunst hervor. Sie ist im positiven Sinne dekorativ.

Das Bild, das ich damals dann doch erworben habe, hängt heute bei mir am Ammersee, ein anderes in meiner Münchener Wohnung.

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