Die Engeldarstellungen von Romen Banerjee

von Peter Funken, Berlin 2008

Die umfassende Serie großer Bildnisse, die Romen Banerjee in diesem Jahr gemalt hat, mag im ersten Moment überraschen, hatte der Künstler doch gerade erst noch abstrakte, vollends aus dem Farbmaterial entwickelte Arbeiten hergestellt. In der Serie der Bildnisse erkennen wir nun Darstellungen, die Wesen zeigen, die nicht allein von dieser Welt sind. Romen Banerjee bezeichnet die Dargestellten als Engel, und tatsächlich scheinen einige dieser Wesen Flügel zu haben. Doch insbesondere fällt bei Banerjees Bildern auf, dass die sichtbar gemachten Engel in einem geradezu übernatürlichen Licht erscheinen – und dass ihre Augen eine seltsam bannende Kraft haben, der man sich nur schwer entziehen kann.

Diese Bilder sind in einer unmittelbar gestischen, eigentlich unartistischen Weise gemalt, so dass der Eindruck entsteht, dem Künstler habe ein anderer den Pinsel geführt – jemand (aber wer?) habe sich des Malers als Medium bedient, durch ihn gesprochen und damit etwas zur Gestalt gebracht, so dass sich einlöst, was Paul Klee meinte, als er sagte, die Aufgabe der Kunst sei sichtbar zu machen, nicht abzubilden.

Bei der Serie der Bildnisse – so der Eindruck – geht es um die unmittelbare Vermittlung einer geistigen Verwandlung, es geht um Vorstellungen am Rand des Begreifbaren, an der Grenze des Begrifflichen – dies in Form äußerster Notwendigkeit, jenseits von künstlerischen Stilen und Moden –, um das Sichtbarmachen innerer Bilder in einer auf Äußerlichkeiten dressierten Welt.

Romen Banerjee sieht seine Serie von Engelbildern gewiss nicht zu Unrecht in Relation zur Ikonenmalerei und zur Kunst der Vorgeschichte, also zur magisch-realistischen Malerei, wie man sie im christlich-orthodoxen Ritus und aus den Höhlen von Altamira und Lascaux kennt.

Auf jeden Fall sind diese Bildnisse Zeugnisse einer Entwicklung bei Romen Banerjee, die kaum das künstlerische Handwerk allein betrifft, sondern die ganze Person, den ganzen Menschen.

zurück zu: Artikel