Kalkutta – Berlin

von Heinz Ohff, Berlin 1990

Romen Banerjee, der junge, 1963 in Berlin geborene Maler, ist Schüler Wolfgang Petricks. Er hat von seinem Lehrer manches übernommen – die Farbskala und das, was man seinen malerischen Impuls nennen könnte -, aber schon früh zu einer eigenen und jetzt unverkennbar gewordenen Handschrift gefunden.

Ursprünglich von individuellen Psycho-Porträts ausgehend, die schon (bis 1988) im Rahmen der Petrick-Nachfolge Aufsehen erregen konnten, kehrte er von einer Reise nach Kalkutta, der Heimatstadt seines Vaters, auch malerisch gewandelt zurück.

Sein Schlüsselerlebnis: die schrille Lautstärke dieser indischen Stadt.

Das klingt nur im ersten Augenblick überraschend. Banerjee ist in Indien auf sein eigenes Thema gestoßen: das der beständigen Reiz- und Lärmüberflutung. Er hat es in immer farbiger werdenden Bildern gestaltet, in denen die Farbigkeit, oft pastos und grell aufgetragen, eine immer stärkere Rolle spielt. Dabei staffelt er auf seinen häufig extrem hochformatigen Leinwänden die Motive gleichsam über- oder ineinander – moderner Stress,
in Farbe umgesetzt.

Obwohl folkloristisch in den gegenständlichen und sogar figürlichen Anklängen anscheinend von indischen Eindrücken beeinflusst, handelt es sich dabei um eine gründlich urbane Malerei, wie sie Berliner Eigenart (und Tradition) entspricht. Ihr haftet etwas Sogartiges an, das zugleich fasziniert und abstößt, sie bleibt aber auch rhythmisch-musikalisch, mit heftigen Dissonanzen durchsetzt. Nicht von ungefähr betreibt Banerjee nebenher ein eigenes kleines Tonstudio, in dem er für Theatergruppen oder Performances elektronische Musik produziert, was sich auch in seinen Bildern niederschlägt.

An ihnen arbeitet er lange, nicht selten monatelang. So gestisch sie auf den ersten Blick scheinen und zum Teil sogar sind, so sehr zeigt der zweite Blick die sorgsame und langsame Komposition der reizüberflutenden Farbigkeiten.

Auf die Eitempera-Untermalung legen sich vielfache Schichten in Acryl und Ölfarbe, wobei stellenweise auch die untersten Schichten erhalten bleiben oder doch durchscheinen. Trotzdem ergeben sich am Ende pastose reliefartige Auftragungen, die die Illusion, man könnte diese Bilderwelt wie eine Bühnenkulisse betreten, noch verstärken.

Banerjee gehört meiner Ansicht nach zu den herausragenden Talenten unter den jüngeren Berliner Künstlern.

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