Teamarbeit

von Klaus Geldmacher, Mülheim a.d. Ruhr 2008

Was gab den Ausschlag, als ich mich 1994 entschloss, ein halbes Jahr in Berlin mit Romen zusammen zu arbeiten? Zunächst seine Malerei. Mich faszinierte die auf die Leinwand übertragene Emotionalität, das Wilde, die knalligen Farben. Doch auch Romens Ehrgeiz, sein (im Vergleich zu mir) jugendlicher Elan und seine Unbefangenheit steckten an. So pendelte ich – frisch verheiratet – alle drei, vier Wochen zwischen Düsseldorf und Berlin hin und her. Im Kreuzberger Atelierhaus herrschte die versiffte Atmosphäre einer Wohngemeinschaft. Überraschende Besuche. Improvisierte Mahlzeiten. Irgendwie regelte sich alles von selbst – oder auch nicht.
Wir arbeiteten im Schichtwechsel. Ich tagsüber, Romen nachts. Unsere gemeinsamen Werke entwickelten sich Schritt für Schritt, bis wir irgendwann übereinstimmend feststellten: Jetzt sind sie fertig. Die Verständigung darüber lief reibungslos, es gab keine rechthaberischen Wortgefechte. Das war einzigartig. Mit keinem anderen Künstler habe ich derart intuitiv und spielerisch zusammengearbeitet. Wir nannten das damals „erotischer Konsens“. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Mit 15 Werken gingen wir auf Ausstellungstournee durch die Republik – alles wurde verkauft. Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit haben wir erwogen. Aber Kreativität bleibt auf der Strecke, wenn Bewährtes wiederholt wird.

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