Zu meinen Bildern

von Romen Banerjee, Berlin, 1990
Auszug aus einem Gruppenkatalog:

Ich empfinde die Einwirkung der Umwelteinflüsse auf die Psyche des Menschen gleichermaßen faszinierend, wie abstoßend.

Veränderung/Deformation von Psyche und Körper (z. B.: Depression, allergische Reaktion usw.) sind weltweit zunehmend ein Problem und gehören bei uns schon zum alltäglichen Bild.

Durch eine Indienreise wurde mir speziell das Phänomen des Lärms und seine Wirkung auf meine Freunde und mich bewusst.

Ein kleiner Vorort von Kalkutta, ein Knotenpunkt mehrerer Bahnlinien – das ist Naihati auf der Landkarte.

Schrille Töne, ein Pfeifen, Hupen, lautes Schreien und Menschen, Menschen, Menschen rund um die Uhr – das ist, was von Naihati bleibt.

Kein Ort des Rückzugs, kein Glasfenster bietet Schutz vor Lärm – alles ist offen.

Die ersten Tage und Nächte gelingt es mir überhaupt nicht, Schlaf zu finden.

Der ständige Trancezustand steigert sich bis an die Grenze meiner Kräfte.

Dann kommt der Zusammenbruch.

In Berlin wohne und arbeite ich am Tempelhofer Ufer.

Autoverkehr rund um die Uhr, aber – alles ist um ein Vielfaches dumpfer.

Überhaupt ist die Reizüberflutung in den deutschen Großstädten oft eher optischer Natur.

Speziell das Phänomen Kabelfernsehen/Musikvideo haben auf mich eine faszinierende, sehgewohnheitenverändernde Wirkung.

Die Ästhetik dieser mitteleuropäischen Reize ist sowohl in ihrer Farbigkeit als auch in ihrem Lebensgefühl wesentlich synthetischer als die der indischen – eine Mischung aus billigen bis zum Anschlag aufgedrehten Transistorradios und seit Jahrtausenden überlieferten, kulturellen Formen.

Lärm ist psychische wie physische Gewaltausübung auf den Menschen, die zu einer mehr oder minder unmittelbar sichtbaren Deformation der Individuen führt.

Ausgangspunkt meiner Malerei sind meistens Menschen, die ich kenne, mit denen mich eine ganz persönliche Geschichte verbindet.

Im Laufe des Malvorgangs wird meine Wahrnehmung dieses Menschen zunehmend von meinem eigenen Lebensgefühl überlagert – meinem Kampf mit der Brutalität der Eindrücke, denen ich täglich ausgesetzt bin.

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